Aktion Regen
Dr.Maria Hengstberger. Gynäkologin aus Wien
Jeder Tropfen zählt!
Mit der „Aktion Regen" und der Entwicklung der Geburtenkontrollkette hat Maria Hengstberger Frauen in der sogenannten Dritten Welt Familienplanung ermöglicht. Ihr jüngstes Projekt: eine Regenklinik in Rurenge in Ruanda. Von Fritz Pesata
Einst spielte sie mit dem kleinen Alois Mock im niederösterreichischen Euratsfeld, der spätere ÖVP-Vizekanzler und „Held von Brüssel" zog siemit einem Wägelchen. über die staubige Dorfstraße. Später sollte sie oft wieder über staubige Straßen fahren. Aus der kleinen Maria wurde eine Ärztin, genauer gesagt: Gynäkologin. Matura 1959, mit 25 Jahren mit dem Studium fertig und dem Drang, hinaus in die Welt als Entwicklungshelferin zu gehen. Doch zuerst hieß es warten, ein Mann, ein Kind, noch ein Pflegekind und der Aufbau einer Praxis in Wien-Meidling. Später, dann später, die Kinder wurden größer, kamen die Gewissensbisse: "Hätte ich nicht doch? ...". Und gefragt, getan. Maria Hengstberger kratzt ihre Ersparnisse zusammen, fährt nach Äthiopien, lernt dort andere Entwicklungshelfer kennen, lernt die Not und den Hunger des Landes kennen und weiß: Das ist es! Zurück in Wien geht sie ihren Freundinnen-und Bekannten-Kreis durch. Merkt, dass ihr die Leute bei ihren Vorträgen über Hormone, Brustkrebs-Vorsorge und Lebensstil zuhören. Dass sie mehr wissen wollten. Und auch bereit sind, ihr nunmehriges Mehr-Wissen ein wenig zu honorieren. Durch eine Spende. Und so war die Idee geboren.
„Wissen gegen Spende", ein Regentropen pro Monat und fertig ( na ja, so ganz schnell ging es auch wieder nicht) war die „Aktion Regen" der Maria Hengstberger, eingetragener Verein.
Erste Auslandseinsätze: Indien, Eröffnung einer Klinik im Norden im Jahr 1995. Einsatz in Rumänien, eine Klinik in Mexiko City und ihre bis dahin schwierigste Aktion „Wärme für Sibirien". „Das war die schwerste Zeit in meinem Leben", schaudert es die temperamentvolle Mit-Sechzigerin heute noch. Nach einem Aufruf im ORF kamen riesige Mengen an Bekleidung aller Art. Jetzt hatte sie zwar die Sachen, die den Menschen die bittere Kälte in Sibirien erträglicher machen würde, aber wie kommen diese dorthin. In 14 Tagen hatte sie das Geld beisammen und die Züge rollten gen Osten.
Nun kommt Maria Hengstberger auf ihr voraussichtlich letztes Projekt (neben Nicaragua) zu sprechen: Die Regenklinik in Rurenge in Ruanda. Ruanda, eines der ärmsten Länder des Kontinents war 1994 Schauplatz eines der schrecklichsten Völkermorde aller Zeiten, als Hutu-Milizen hundert Tage in Raserei rund eine Million Tutsis umbrachten, mehr oder minder unter den Augen einer nicht einmal staunenden Weltöffentlichkeit.. Seither und nach einer harten Zeit der Aufarbeitung der Gräuel wird am Wiederaufbau gearbeitet. Ein Tropfen auf diesen heißen Stein ist auf das Dorf Rurenge gefallen, wie im Februar 1998 der Grundstein für eine Gesundheitsstation gelegt wurde. Ursprünglich nur für die Versorgung der rund 600 Bewohner des Ortes und einer benachbarten Flüchtlingssiedlung gedacht, platzte sie bald aus allen Nähten. Unter der Federführung der „Aktion Regen" sowie der Partnerorganisation „Benishyaka" wurde die Gesundheitsstation bis 2003 erweitert, vom Architekten Helmut Schwab ehrenamtlich umgeplant und in den Folgejahren weitergebaut, ehe sie am 18. November 2006 eröffnet wurde. Jetzt geht es „nur noch" um den Innenausbau der Klinik, um eine neue Solaranlage, größere Wassertanks und das Anlegen eines Kräutergartens.
Bei der Eröffnung der Regenklinik, an der Frau Doktor wegen einer Bandscheiben-Erkrankung nicht teilnehmen konnte, fand auch gleich der erste Workshop über Familienplanung und Aids-Vorsorge statt. Stichwort Familienplanung : Für die Gynäkologin ist nicht der Hunger das größte Problem in Afrika, sondern die Bevölkerungsexplosion. „Der Hunger ist nur dann ein Problem", sagt sie, „wenn mit zu vielen geteilt werden muss". Deshalb gilt ihr Augenmerk der Geburtenplanung, sie findet Kondome sehr wichtig - wenn vorhanden, die Pille sei in Afrika auf Grund der Kosten aber wohl keine Lösung. Sie selbst hat eine Plastik-Kette entwickelt, einen Zykluskalender für Analphabeten: vor Beginn der Menstruation(rote Startperle) wird täglich ein kleiner Gummiring über die nächste Perle gezogen; auf Grund der Tropenform ist dies nur in einer Richtung möglich. Die gelbe Farbe der Perle symbolisiert die Unfruchtbarkeit von Sand oder Wüste, die hellblauern Tropfen zeigen die fruchtbaren Tage an. Blaue Markierungen lassen eine Risikoabstufung erkennen. Auch wenn diese Methode bekanntlich nicht absolut sicher ist, führt sie doch - so Hengstberger - zu einer Senkung der Geburtenrate von mehr als 50 Prozent. Und dass ihre „Aktion Regen" nur ein Tropen auf den heißen Stein sei, das glaubt die temperamentvolle Dame nicht: „Nein, das stimmt dann nicht, wenn jeder einen Tropfen gibt!".
Die Bevölkerungsexplosion geht uns alle an!
Kein Geld für Brot - kein Geld für Verhütungsmittel!
Nur Wissen hilft wirklich. Helfen Sie uns, es weiterzugeben
www.aktionregen.at
Fr. Dr. Hengstberger hält Vorträge zu den Themen
Ein Schutzhaus für Frauen gegen Krankheit und Krebs
Brustkrebs vermeiden ist möglich.
Wechseljahre von „ Frau zu Frau“