LERNEN leben
Die Fähigkeit bis ins hohe Alter hinein lernfähig zu sein, ist einer
der Grundpfeiler für ein zufriedenes Leben. Sie gibt dem Mensch das
Bewusstsein, allen Veränderungen des Lebens mutig entgegentreten zu
können.
Und doch wird LERNEN vielfach mit Frust und Stress verbunden. Diese
beiden Gefühle sind alles andere als hilfreich, wenn es um das Lernen
geht. Das Gehirn schaltet auf Stressalarm und ist nicht mehr in der
Lage, viel Neues aufzunehmen.
Für viele Menschen ist der Begriff LERNEN mit Schule verbunden.
Schule, so haben wir erfahren, bedeutet neben den vielen angenehmen
Erinnerungen und Freundschaften, die Konfrontation mit den eigenen
Schwächen. Aus diesen sehr frustrierenden Erfahrungen bildete sich die
Erfahrungsformel „LERNEN = Frust“.
Um diese Formel in unserem Kopf zu ändern, bedarf es neuer,
positiver Lernerfahrungen, denn nur so kann die eingeübte Formel
neutralisiert werden, damit sie ihre Wirkung auf unser Verhalten
verliert.
Ich plädiere für eine neue Formel: „LERNEN = Lebensfreude“. Wer
gerne lernt, ist offen für Neues und hat weniger Probleme, sich auf die
Veränderungen des Lebens einzustellen.
Oft sehen wir im LERNEN nur das „zielgerichtete“ Aneignen von Wissen
oder Trainieren einer Fertigkeit, also den Prozess des Aneignens oder
besser das Hinzufügen von bisher Unbekannten zum bereits Vorhandenen.
Neben dem zielgerichteten LERNEN gibt es viele weitere
Möglichkeiten, sich Wissen anzueignen, ohne das wir diese Tätigkeit
LERNEN nennen:
- Erfahrungen machen
- Methoden und Techniken ausprobieren
- Sich Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen
- Ein Sportart einüben
- Handwerkliche Fähigkeiten erwerben
- Unbekannte Sprachen einüben
- Im Team Projekte entwickeln
- Menschen anleiten
- und vieles mehr.
All das ist LERNEN. Immer dann, wenn wir aktiv am Leben teilnehmen,
lernen wir. Mit jeder Tätigkeit, jedem Handeln, jeder Erfahrung, und
auch jedem Fehler nimmt unser Wissen zu – das Erfahrungswissen auf dem
alles Handeln basiert.
Was spricht also dagegen, sich Lern-Prozesse so angenehm wie möglich
zu gestalten, auch wenn es sich um zielgerichtetes Lernen handelt?
Und wer könnte das besser als wir Frauen? Mit dem Bedürfnis, alles
im Leben ganzheitlich zu erfassen, sind Frauen prädestiniert dafür,
Situationen so zu gestalten, dass es ihnen und anderen gut geht.
Beim zielgerichteten LERNEN fällt das aus oben genannten Gründen
manchmal noch schwer. Lässt man die alten Erfahrungen und die alte
Formel hinter sich und geht zu einer neutralen Betrachtungsweise über,
ergeben sich viele neue Möglichkeiten.
Hier einige Beispiele:
- Seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und auch beim LERNEN zu
berücksichtigen, ermöglicht es, sich einen individuellen Rahmen zu
schaffen, in dem man gerne auf das LERNEN einlässt.
- LERNEN kann man lernen. Sich einen Handwerkskasten mit
Selbstlernkompetenzen anzulegen spart Zeit und Frust und ist ein
wirksamen Mittel für mehr Freude beim LERNEN.
- Die Verantwortung übernehmen. Selbst die Verantwortung dafür
tragen, was man lernt und wie man lernt, macht stark und unabhängig.
Die Zeiten in denen Drachen-Frauen sich dem Reglement der
Schulsysteme untergeordnet haben, sind längst vorbei. Heute trifft man
sie als Gäste, denn in den Universitäten, Schulen und
Weiterbildungseinrichtungen wird viel Wissenswertes angeboten und wer
weiß, vielleicht gilt es noch bisher nicht gelebte Lebensträume zu
verwirklichen.
Sich freiwillig neuen Herausforderungen stellen, bedeutet geistig
fit bleiben, denn Muskeln wollen trainiert werden, auch das Gehirn.
Mit dem Wissen um die eigenen Bedürfnisse und einem Werkzeugkasten
voller Selbstlernkompetenzen sind Sie gut gerüstet für die vielfältigen
Lern- und Veränderungsprozesse im gesellschaftlichen Miteinander und
können sich getrost dem Fluss des lebenslangen Lernens anvertrauen. In
diesem Vertrauen zu leben ist pure Lebensfreude.
Eure
Telse Maria Kähler
www.frauenlernenanders.de