Gertrud Leidner
Typ „Herbe Schokolade“. Geboren und aufgewachsen bin ich in Augsburg am 19.1.1960. Meine nicht sehr lustige Jugend als schwarzes Schaf in einer Familie, die sich mit Vorliebe selbst zerfleischt hat habe ich mittlerweilen als etwas in meinem Lebensrucksack akzeptiert, was einfach zu mir gehört. Es kommt ja immer darauf an, was man daraus macht.
Bei der Berufswahl bin ich ziemlich hin- und hergetaumelt zwischen Musik studieren oder Landwirtschaft. Kam dann anders.
Zur Ausbildung als Krankengymnastin bin ich in die Nähe von Kassel, wow, das war für mich damals ziemlich heftig. Just in love – zwei Jahre Fernbeziehung mit meiner ersten großen Liebe, mit der Vorstellung im Kopf verliebt- verlobt usw. merkte ich doch irgendwann, dass bei aller Angepasstheit irgendwann sich immer wieder etwas regte, was die ganzen Pläne zu Kleinholz machte. Kaum war ich mit der großen Liebe zusammengezogen, hielt ich es nicht mehr aus. Überhaupt scheint so ein innerer wie äußerer Spagat etwas zu sein, was von mir gelebt werden möchte. Das macht es nicht immer einfach, aber nichts treibt mich mehr an, als die Vorstellung, es bewegt sich gar nichts mehr.
Wenn äußerer Stillstand passiert, passiert viel bei mir im Inneren. Es gab verschiedene dunkle Tunnel, die es in meinem Leben zu durchschreiten gab und die mich tendenziell hellhörend gemacht haben. Heute habe ich einen recht unkomplizierten Umgang mit der geistigen Welt und versuche immer wieder Vertrauen zu üben, mich führen zu lassen. Alles, was ich soz. geplant habe, das wurde meistens nichts, die wichtigen Dinge, Menschen, Begebenheiten sind mir immer unverhofft über den Weg gelaufen.
Mitte 20 bin ich, auch aus so einem damals unvorstellbaren Impuls heraus, in den Odenwald gezogen – der Sicherheitsfanatikerin in mir haben die Zähne geklappert – und habe mit einem Förster ein WG gegründet. Das ging ziemlich schief – wir waren dann einen Saturnumlauf verheiratet, haben drei super Kinder zusammen und hatten viele Tiere, v.a. Pferde (die sind heute noch bei mir). Da habe ich schon gemerkt, die Schultern werden zwangsläufig immer breiter. Viele Möglichkeiten, immer mehr Verantwortung, aber auch begrenzte Energien und einfach zu wenig Zeit. Und irgendwie muß frau sich dann für etwas entscheiden, weil sie nicht alles machen kann und was machbar ist.
Ich will gerne ausprobieren – von Therapieausbildungen (Konzentrative Bewegungstherapie, Hakomi Gesprächsführung) über Seminare über Hufe raspeln, Physiotherapie, Kinesiologie und Osteopathie am Pferd, einfach alles – ich habe schon viel Erfahrungen gewonnen und habe immer noch den Eindruck, es gibt da immer noch etwas, was ich unbedingt wissen will.
Eine Erfahrung von mir ist, sag niemals nie. Irgendwie kommt es in meinem Leben oft zu der Erfahrung, die ich vorher rigoros abgelehnt hätte. Als immer mehr Stillstand in die Ehe einzog, hatte ich – unfassbar – ein Verhältnis zu einem Mann, was mich vollkommen zerrissen hat. Es ist in unserem Kulturkreis tragisch, dass Liebe landläufig was mit besitzen zu tun hat. Aus meiner 12 Jahre beschaulichen Partnerschaft ging ich schnurstracks in eine Beziehungskatastrophe, die ich voll und ganz durchleben und –leiden wollte für vier Jahre. Es hat mir sehr die Augen geöffnet, wie viel doch noch in meinem Rucksack ist (und bleibt), den ich durchs Leben trage, ohne es zu wissen bzw. gedacht habe, es sei vorbei. Dieser Mann war ein großer Lehrer für mich.
Das , was mir Angst macht, das kommt bzw. ist in mein Leben getreten – Existenznot, drei Kinder mehr oder weniger allein großziehen, beruflicher Anspruch, Alleinsein. Es waren unglaublich reiche Erfahrungen, die ich hoffentlich soweit gelernt habe, dass ich sie nicht noch mal wiederholen muß, aber sie haben mich sehr weit gebracht. Ich möchte nicht
tauschen !
Es geht mir zunehmend besser. Das Alleinsein gewinnt eher an Reiz, ich bin und bleibe eine Eigen-Brötlerin, werde immer mehr zur „Hexe“ (alternatives Heilen war schon immer mein Ding.) Andere meinen oft, ich sei ziemlich tough. Nein, das bin ich eher nicht, sondern ich tue nur das, was ich von anderen auch erwarten würde. So einfach. Also ramme ich meine Weidepfosten in den Boden und gehe dann meditieren, im Garten wühlen oder den Putzlumpen schwingen usw..
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Beruflich ist mein Standbein noch die Physiotherapie, die sicher eine Basis in meinem Tun ist und bleibt, aber nicht mehr in der Form einer Praxis. Ich hatte gehofft, mein Standbein langsam auf mein HeilpraktikerInnen-Hexen-Bein zu bekommen, aber - langsam scheint’s - mutiere ich zur Spinne. Da gibt es noch ein Bein, was sehr Spaß macht und mir viel Energie gibt (wovon ich aber momentan noch nicht leben kann) – Seminare und Vorträge in PraNeoHom. Geniale Methode !! (Wer Genaueres darüber wissen will – meine Webseite http://www.naturheilpraxis-yesirah.de/ ).
Was mir manchmal fehlt, das sind Kontakte zu Menschen, mit denen ich eine Sprache spreche. Meistens sind es die, die öfters im Leben hingefallen und wieder aufgestanden sind. Die Kommunikation mit den „Normalen“ empfinde ich zunehmend als anstrengend.
Mein Leben wird immer einfacher, finde ich. Auch wenn die pubertierenden Kindleins einem manchmal unsanft einen Spiegel vor Augen halten, ich bin so, wie ich bin und es ist gut so, wie es ist
Ich altere so vor mich hin und es gefällt mir. Es verändert sich wieder etwas, irgendwie kommt wieder etwas ganz Neues auf mich zu, ich spüre es. Ich wollte keinen Tag jünger sein. Wenn das existenzielle Gezappel wegfällt , vielleicht grabe ich irgendwann wieder so alte Vorlieben auf – Theaterspielen wäre was oder mehr Musik machen. Oder ich mache irgendwas Abgefahrenes, wozu ich nie den Mut oder die Zeit hatte. Wer weiß, was noch kommen will ?