Sabine Richter

Richter

Das Leben ist wie ein wilder Wurm (oder Drache?)

 

Es fällt mir etwas schwer, mich selbst darzustellen, am liebsten stehe ich im Hintergrund, bin lieber der „Ghostwriter“. Aber nun gut, ihr wollt etwas von mir wissen, dann lest!

 

Zwar habe ich viele Fehler in meiner Jugend gemacht, sowohl privat als auch in beruflichen Entscheidungen, aber es waren meine Fehler, die mich lernen ließen und weiterbrachten. Und ich entwicklete eine nie gekannte Lebensfreude und einigen Mut. So gründete ich 1986 einen Single-Club, was damals noch ganz neu war.

Dort lernte ich dann meinen heutigen (zweiten) Mann kennen, der mich durch seine positive Denkweise und Aktivität mitzureißen verstand. Wir unternahmen viel und verwirklichten 1989 eine Geschäftsidee, die es bisher nur als Nebengeschäft für Taxis und Minicars gab.: Flughafenzubringer als Spezialisierung. Zuerst als Nebentätigkeit neben unseren Vollzeitjobs gedacht, wurde es zu meiner Hauptbeschäftigung, als ich 1995 arbeitslos wurde.Später baute ich das Geschäft aus, es kam ein gößeres Ladenbüro dazu mit einer Versandhaus-Agentur und einer Second-Hand-Boutique für große Größen, was immer mein Traum gewesen war. Die Geschäfte liefen super!

Allerdings forderte die stete Anforderung an Präsenz und Flexibilität, z.B. auch an den Wochenenden, Ende der 90er-Jahre ihren Tribut. Ich war total ausgebrannt, die Depressionen kamen wieder. Aber mit eiserenem Willen machte ich weiter! Heute weiß ich, daß das falsch war, daß ich meine Grenzen schon damals überschritten hatte. Anfang 2003 ging dann gar nichts mehr, ich mußte meinen geliebten Laden aufgeben, organisierte den Flughafenzubringer von zuhause aus und wurde immer isolierter. 

 

Dann wieder mal der Versuch einer Flucht: Neues Haus, Umzug, aber die Probleme in mir blieben. Immerhin fing ich an, ehrenamtlich für eine  Seniorenzeitung  mein Schreibtalent wiederzuentdecken. Und 1mal in der Woche verkaufte ich Klamotten für eine Initiative für gerechte Frauenarbeit und gegen Kinderarbeit in Südamerika. Dies alles hatte ich schon viel früher tun wollen, jetzt nahm ich mir einfach die Zeit dazu, ein kleiner Anfang, aus meinem sozialen Exil wieder herauszukommen. Zur gleichen Zeit erfüllte ich mir auch einen weiteren Lebenstraum: Ich ließ meine in früheren Jahren entstandenen Gedichte drucken. („...wollte Prosaleben sein“ v. Sabine Richter, bei Amazon  für 8,90EUR, sorry, etwas Werbung!).

 

2008 fanden wir endlich einen Nachfolger, der unser immer noch gut gehendes Geschäft übernahm. Wir arbeiten beide noch mit und unterstützen ihn, wo wir konnten. Leider fand dies im Herbst 2009 ein sehr unrühmliches Ende. Der Inhaber verschwand einfach von der Bildfläche, hinterließ ein Chaos. Um nicht 20 Jahre harter Arbeit zerstört hinterlassen zu sehen, übernahmen wir das Geschäft wieder, haben jetzt das Gröbste bereinigt, was uns aber finanziell und gesundheitlich  an unsere Grenzen gebracht hat. Aber die Gewißheit, aus dieser fast ausweglosen Situation wieder herusgefunden zu haben, macht mich froh und zufrieden und gibt mir Mut, meine Kraft auch wieder anderen Aufgaben zu widmen. Außerdem habe ich nach 35 Jahren wieder angefangen. Klavier zu spielen, beschäftige mich intensiv mit fernöstlicher Philosphie, insbesondere mit der buddhistischen Achtsamkeitsmeditation, die mir im Kampf gegen meine Ängste und Depressionen sehr geholfen hat. Dieses Wissen würde ich gern auch an Interessierte weitergeben, weil es wirklich funktioniert und absolut nichts mit esoterischen Modeerscheinungen zu tun hat.

 

Ach ja, und zum Schluß noch ein Wort zu meiner familiären Situation. Meine Mutter (93 und geistig und körperlich topfit) ist im Lauf der Jahre zu einer meiner besten Freundinnen geworden. Wir haben nach vielen, zum Teil aufwühlenden und schwierigen Gesprächen unseren Frieden miteinander gemacht. Sie ist ein Beispiel dafür, daß man auch im Alter noch umdenken und lernen kann, sofern man aufrichtig an Veränderungen interessiert ist. Dies sollte uns selbst, die wir mehr oder wenig an der Schwelle zum Alter stehen, Mut machen, aufgeschlossen und neugierig auf das Leben  jenseits der 50 zu sein, auch mit all seinen Unbillen und Nachteilen. Denn jeder Tag bietet uns Erfahrungen an, wir müssen sie nur annehmen, als Herausforderung sehen und nicht ablehnen.

 

Meine Lebensbilanz ist heute folgende: Trotz mancher  falscher Entscheidungen, 

vielen Zweifeln und Rückzügen, bin ich immer wieder aus dem Dunkel rausgekrabbelt, weil ich die Sonne sehen wollte. Ich ducke mich nicht mehr, gehe aufrechter und mache den Mund auf. Zudem merke ich immer mehr, daß ich mir abseits von materiellen und von außen kommenden Dingen immer mehr selbst genüge. Sich und vieles andere auch nicht mehr so ernst zu nehmen, sollte einem der Humor (sofern man ihn hat) immer öfters verordnen, und wenn es nur Galgenhumor ist, der ist herrlich!

Am Ende meines Lebens möchte ich einmal nichts bereuen und wünsche mir, in oder bei mir  „angekommen“ zu sein.           

                 

  

Flughafenzubringer Richter, Hauptstr. 105, D-35460 Staufenberg, Tel. (0049) (0)6406-835503.

email-Adresse geschäftlich:   fzr-richter@t-online.de

http://www.flughafenzubringer-richter.de/